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150 Jahre Scheuerle Fahrzeugfabrik

150 Jahre Scheuerle Fahrzeugfabrik

1949 schlug die Geburtsstunde des modernen Schwertransports. In Pfedelbach, ein Dorf in der landwirtschaftlich geprägten Hohenlohe, verließ der erste Tieflader die Willy Scheuerle Fahrzeugfabrik. Ausgestattet mit einem abfahrbaren Fahrwerk und einer patentierten Allradlenkung setzte die Willy Scheuerle Fahrzeugfabrik an diesem Fahrzeug gleich zwei innovative Technologien erstmals um. Ohne diese wäre das Segment der Sonderfahrzeuge für Schwertransporte heute nicht denkbar.

Von der Schmiede zur Fahrzeugfabrik

Die von Christian Friedrich Scheuerle 1869 erworbene Schmiede

Die Anfänge des traditionsreichen Unternehmens reichen aber noch weiter zurück, nämlich bis ins Jahr 1869. Damals, vor genau 150 Jahren, erwarb Schmiedemeister Christian Friedrich Scheuerle in Pfedelbach eine Schmiedewerkstatt und legte damit den Grundstein für die spätere Fahrzeugfabrik. Es war sein Enkel Willy Scheuerle, der mit reichlich Unternehmergeist ausgestattet, die Weichen auf Zukunft, auf Wachstum und auf Innovation stellte. Nach dem Studium machte Willy Scheuerle seine ersten Karriereschritte als Konstrukteur in der berühmten Motorenfabrik Maybach, bevor er im elterlichen Betrieb Fahrzeuge für Langholztransporte und Fuhrbetriebe fertigte. 1937 legte er mit der Gründung der Willy Scheuerle Fahrzeugfabrik den Grundstein für den späteren Erfolg. Schon ein Jahr später baute der Firmengründer eine neue, modernere Produktionshalle am Ortsausgang von Pfedelbach, wo sich bis heute der Firmensitz der Scheuerle Fahrzeugfabrik befindet.

Die hydraulische Pendelachse revolutioniert den Schwertransport
Nach dem Zweiten Weltkrieg musste Willy Scheuerle den völlig zerstörten Betrieb neu aufbauen. Von da an ging es steil bergauf. 1949 verfügten die ersten Tieflader von Scheuerle noch über eine mechanische Lenkung und einen mechanischen Achsausgleich. Die Nutzlasten dieser Tieflader mit zwei und mehr Achsen reichten aber bereits von zehn bis hundert Tonnen. Schon 1956 entwarf die Mannschaft um Willy Scheuerle das Konstruktionsprinzip einer hydraulisch abgestützen Pendelachse, durch das die Anordnung von mehreren Achsen in einer Reihe möglich wurde. Die Produktion vielachsiger Schwerlastfahrzeuge begann. Eine bahnbrechende Erfindung, denn noch heute ist die hydraulische Pendelachse weltweit das tragende Prinzip des modernen Schwertransports. Kurz darauf folgte die Einführung des hydraulischen Achsausgleichs.

Erste selbstfahrende Fahrzeuge zur IAA 1966

Vor über 30 Jahren wurde der erste Scheuerle SPMT entwickelt und an das niederländische Spezialtransport¬unternehmen Mammoet ausgeliefert. In diesen 30 Jahren hat der SPMT weltweit Transportgeschichte geschrieben. Der Herr in der Mitte ist Firmeninhaber Otto Rettenmaier

Es sollte aber nicht bei rein gezogenen Fahrzeugen bleiben. Auf der IAA 1966 in Frankfurt stellte Scheuerle das erste Fahrzeug mit hydrostatischem Eigenantrieb vor, dass den Namen „Willymog” erhielt. Die hohenlohische Ingenieurskunst kannte keine Grenzen. Die Entwicklung der hydraulischen Vielwegelenkung für Schiffsektionstransporter markierte einen weiteren Meilenstein für die Branche. Diese Technologie ermöglichte es, die Pendelachsen über das Lenkrad in der Fahrerkabine in eine 90 Grad Position zu drehen. Zwei Jahre später, 1972, folgte die weltweit erste elektronische Vielwegelenkung für selbstangetriebene Schwerlasttransporter. Eine weitere einzigartige Innovation, mit deren Hilfe sich die Pendelachsen in jede gewünschte Position drehen lassen.

Elektronische Vielwegelenkung macht Weg frei für einen Bestseller

Die elektronische Vielwegelenkung ebneten den Weg für einen wahren Klassiker im Segment: den SPMT (Self Propelled Modular Transporter). Der SPMT ist seither ein Synonym für diese Transporttechnologie, mit der weltweit schwerste Lasten von mehreren tausend Tonnen bewegt werden. Der SPMT lässt sich dank seiner Containermaße zu Einsatzorten weltweit befördern und flexibel einsetzen. Bis heute ist er der Bestseller der Scheuerle Fahrzeugfabrik. Mit inzwischen mehr als 20.000 Achslinien im Markt stellt der SPMT die größte internationale Flotte und macht das Unternehmen in diesem Segment zum Weltmarktführer für Schwerlast-Fahrzeuge mit hydraulisch abgestützten Pendelachsen, wofür es von der Zeitung Wirtschaftswoche in diesem Jahr auch eine Auszeichnung erhalten hat.

Eine Investition aus technischer Faszination

Der Multiunternehmer und Senator E. h. Otto Rettenmaier erkannte das enorme Potenzial des Spezialfahrzeugherstellers. Am 1. Februar 1988 erwarb er die Scheuerle Fahrzeugfabrik, um sie weiter in die Zukunft zu führen und um sie im Jahr 1995 unter dem Dach der Holding Transporter Industry International Group (TII Group) zunächst mit den französischen Schwerlastspezialisten von Nicolas (1995) sowie später der Kamag Transporttechnik (2004) aus Ulm zu vereinen. „Ich habe Scheuerle, Nicolas und Kamag aus technischer Faszination gekauft”, kommentiert Inhaber Otto Rettenmaier.

Einzigartige Produkte machen Weltrekorde möglich

Weltrekord 2012 – Megatransport im Nahen Osten

Unterdessen sicherten sich Scheuerle-Kunden mit den einzigartigen Produkten eine Vielzahl von Weltrekorden und Einträgen in das Guiness-Buch der Rekorde. Zum Beispiel transportierte die Modultransporter-Kombination Goliath 1987 eine Petrochemie-Anlage mit mehr als 2.000 Tonnen Gewicht. Den ersten Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde bescherte der Scheuerle Fahrzeugfabrik ein Straßentransport mit 1.800 Tonnen im gleichen Jahr. Die Ingenieure ruhten sich nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern eilten mit Riesenschritten voran. Schon 1989 setzten sie die Weltbestmarke für einen Offroad-Transport bei 6.500 Tonnen und 1990 für den schwersten Straßentransport bei 5.000 Tonnen. Es ging Schlag auf Schlag. 1991 konstruierten sie die seinerzeit größte Seitenträgerbrücke der Welt, deren Spannweite stolze 43 Meter betrug, und einen Monoblock-Schiffsektionstransporter – mit 700 Tonnen das weltweit Nutzlast-stärkste Einzelfahrzeug. 1994 lautete die Bestmarke für den schwersten Offroad-Transport bereits 11.000 Tonnen. 2004 setzte der Bestseller SPMT den Rekord für Offroad-Transporte mit dem Transport einer Öl- und Gasplattform von 14.350 Tonnen auf 500 Achslinien. Den bislang letzten Weltrekord markierte die Bergung der Sewol-Fähre im Jahr 2017. Die Modulfahrzeuge der Baureihen SPMT und K24 bewegten dabei gigantische 17.280 Tonnen.

Außerordentlich leistungsfähige Einzelstücke für die Astronomie

Für herausragende technische Eigenschaften stehen auch die beiden weltweit größten Antennentransporter, liebevoll „Otto„ und „Lore„ nach den Inhabern von Scheuerle benannt, womit das internationale Wissenschaftsprojekt ALMA (Atacama Large Millimeter Array) seit 2007 in Chile gigantische Radioteleskope in 5.000 Meter Höhe befördert. Im Jahr 2012 sicherten SPMTs Scheuerle einen weiteren Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde mit dem Transport einer riesigen technischen Anlage im Nahen Osten.

Scheuerle wird auch in Zukunft viele bahnbrechende Innovationen liefern

Wer über die Jahrzehnte so viel Erfindungsgeist an den Tag legt, der bleibt selbstverständlich auch heute und in Zukunft nicht stehen. Die Scheuerle Fahrzeugfabrik als Teil der TII Group arbeitet mit Hochdruck daran, ihre Produktpalette immer wieder zu erneuern und mit innovativen Fahrzeugen und Dienstleistungen zu ergänzen. Davon zeugte zuletzt der Auftritt des Unternehmens auf der Weltleitmesse für die Baubranche Bauma in München, wo Scheuerle einmal mehr besondere Transportlösungen unter anderem für den Transport von Baumaschinen und für die Windkraftindustrie vorstellte.

Transportlösungen für anspruchsvollste Aufgaben

Darüber hinaus bietet der Fahrzeughersteller sowohl standardisierte als auch individualisierte Transportlösungen für den Einsatz auf öffentlichen Straßen mit Nutzlasten ab 50 bis hin zu mehreren tausend Tonnen an. Hinzu kommen Fahrzeuge für den Anlagen-, Brücken und Tunnelbau sowie die Werft- und Stahlindustrie, für den Bereich Mining, für Luft- und Raumfahrt, deren flexible Komnbinationsmöglichkeiten theoretisch unbegrenzte Nutzlasten erlauben. Hinzu kommen maßgeschneiderte Spezialfahrzeuge für vielfältige Einsatzgebiete in der Industrie sowie spezielle Fahrzeugausführungen für den nordamerikanischen und australischen Markt. Immer im Mittelpunkt stehen dabei die Wünsche der internationalen Kundschaft. Auch die Produktion der Fahrzeugfabrik wird auf die Anforderungen der Zukunft ausgerichtet.

2019: Gratulation vom EU-Kommissar und personelle Neuaufstellung

Auf der Bauma gratulierte auch der EU-Kommissar und ehemalige Ministerpräsident Baden-Württembergs Günther Öttinger der geschäftsführenden Gesellschafterin der TII Group, Susanne Rettenmaier, und dem CEO von Scheuerle, Dr. Gerald Karch, zum langjährigen Bestehen von Scheuerle. Zudem hat das Unternehmen im vergangenen Jahr eine neue Führungsmannschaft bestellt. Sie steht für eine rasant fortschreitende Internationalisierung des Unternehmens und für einen großen Erfahrungsschatz, erworben mit der Führung vergleichbar innovativer Unternehmen. Die Überarbeitung der bestehenden Produktlinie und neue innovative Produkte werden dem Fahrzeughersteller neue, internationale Kundenkreise erschließen. Damit hat Scheuerle die Weichen in Richtung Zukunft gestellt – so wie Schmiedemeister Christian Scheuerle, als er vor 150 Jahren eine Schmiede in einem kleinen Dorf in der Hohenlohe kaufte.

Quelle: Tii Group

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Veröffentlicht von

Svenja Stenner

Tausende Komponenten, eine mobile Arbeitsmaschine: Über das optimale Zusammenspiel zu berichten, ist für mich immer wieder faszinierend.